Wohnungsbesichtigung mit zweitem Blick: Diese Details werden leicht übersehen

Wohnungsbesichtigung mit zweitem Blick: Diese Details werden leicht übersehen

Die Wohnung ist hell, der Balkon groß genug und sogar die Küche gefällt. Bei einer Besichtigung konzentriert sich die Aufmerksamkeit verständlicherweise auf die Dinge, die sofort ins Auge fallen. Dabei entscheiden später häufig ganz andere Details darüber, wie angenehm das Wohnen tatsächlich ist. Der Zustand des Hauseingangs, die Fenster, gemeinschaftlich genutzte Räume oder die Beleuchtung rund um das Gebäude wirken im Exposé wenig spektakulär. Wer eine Wohnung ernsthaft in Betracht zieht, sollte deshalb nicht nur die Zimmer besichtigen, sondern das gesamte Wohnumfeld mit einem zweiten Blick prüfen.

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Die Besichtigung beginnt schon vor der Wohnungstür

Der erste Eindruck einer Immobilie entsteht nicht erst im Wohnzimmer. Bereits der Weg zum Gebäude kann einige Hinweise darauf geben, wie sich der Alltag dort gestaltet. Ist der Hauseingang gut erreichbar? Macht das Grundstück einen gepflegten Eindruck? Gibt es erkennbare Schäden oder andere Auffälligkeiten?

Auch das Treppenhaus verdient Aufmerksamkeit. Dabei geht es nicht darum, dass jeder Altbau aussehen muss wie ein frisch eröffnetes Hotel. Zustand, Sauberkeit und offensichtliche Beschädigungen können jedoch Hinweise darauf geben, wie gemeinschaftlich genutzte Bereiche behandelt und instand gehalten werden.

Wer Kinderwagen, Rollator oder regelmäßig schwere Einkäufe transportiert, sollte außerdem auf Treppen, Aufzug und mögliche Abstellmöglichkeiten achten. Drei Etagen ohne Aufzug können bei der ersten Besichtigung charmant wirken, nach dem zwanzigsten Getränkekasten entwickelt sich möglicherweise eine etwas andere Perspektive.

Eingangsbereich und Haustür genauer ansehen

Auch der Zugang zum Gebäude sollte nicht nur im Vorbeigehen betrachtet werden. Schließt die Haustür zuverlässig? Wie gelangen Besucher ins Haus und gibt es eine funktionierende Klingel- beziehungsweise Gegensprechanlage? Solche Kleinigkeiten werden später täglich genutzt.

Neben dem Zustand von Haustür und Eingangsbereich schauen Mieter immer wieder auch auf die Schließtechnik. Dabei lohnt sich beispielsweise ein Blick darauf, wie der Zugang zum Gebäude geregelt ist und welchen Eindruck Haustür, Wohnungstür sowie gemeinschaftlich genutzte Bereiche machen.

Auch die Wohnungstür selbst verdient Aufmerksamkeit. Offensichtliche Beschädigungen, eine auffällig lockere Konstruktion oder Probleme beim Öffnen und Schließen sollten angesprochen werden. Welche Änderungen Mieter später selbst vornehmen dürfen, ist eine andere Frage und sollte gegebenenfalls mit dem Vermieter geklärt werden.

Bei der Besichtigung geht es zunächst vor allem darum, den vorhandenen Zustand wahrzunehmen. Wer erst nach dem Einzug bemerkt, dass eine Tür klemmt oder ein Zugangssystem im Alltag ausgesprochen unpraktisch ist, hat diese Erkenntnis schließlich etwas spät gewonnen.

Fenster verraten mehr als nur die Aussicht

Bei Fenstern wandert der Blick häufig zuerst nach draußen. Eine schöne Aussicht ist zweifellos angenehm, doch das Fenster selbst ist mindestens ebenso interessant.

Lässt es sich problemlos öffnen und schließen? Sind offensichtliche Beschädigungen erkennbar? Wie wirkt der allgemeine Zustand? Solche Punkte lassen sich während einer Besichtigung zumindest oberflächlich prüfen.

Besonders interessant ist außerdem, wie stark Außengeräusche bei geschlossenem Fenster wahrnehmbar sind. Eine Straße, die auf Immobilienfotos vollkommen harmlos aussieht, kann im Berufsverkehr einen anderen Eindruck hinterlassen.

Auch die Lage der Wohnung spielt eine Rolle. Erdgeschosswohnungen haben andere Eigenschaften als Wohnungen in höheren Etagen. Dabei geht es nicht darum, eine Etage grundsätzlich als besser oder schlechter einzustufen, sondern die jeweiligen Besonderheiten bewusst wahrzunehmen.

Keller und Fahrradraum gehören zum Alltag dazu

Der Keller ist vermutlich selten der Grund, warum sich jemand spontan in eine Wohnung verliebt. Trotzdem kann er im Alltag erstaunlich wichtig werden. Wer zusätzlichen Stauraum benötigt, sollte sich den zugehörigen Bereich deshalb tatsächlich zeigen lassen.

Dabei sind Zugänglichkeit, Zustand und Abgrenzung zu anderen Kellerbereichen interessant. Auch offensichtliche Feuchtigkeitsspuren oder starke Gerüche sollte man nicht einfach ignorieren, sondern bei Unklarheiten ansprechen.

Ähnliches gilt für Fahrradabstellmöglichkeiten. Wer täglich mit dem Rad unterwegs ist, möchte möglicherweise wissen, ob es einen geeigneten Abstellraum gibt und wie dieser erreichbar ist. Ein schweres E-Bike jeden Abend mehrere Stufen hinunterzutragen, kann die Begeisterung für den vorhandenen Fahrradkeller schließlich etwas relativieren.

Gerade solche Nebenräume werden bei Besichtigungen gern in Rekordzeit abgearbeitet. Der Balkon bekommt zehn Minuten Aufmerksamkeit, während für den Keller 20 Sekunden reichen – obwohl dort später Fahrrad, Werkzeug und Weihnachtsdekoration möglicherweise jahrelang wohnen sollen.

Beleuchtung und Wege rund ums Haus prüfen

Wie wirkt der Weg zur Haustür am Abend? Diese Frage lässt sich bei einer Besichtigung am helllichten Nachmittag nur eingeschränkt beantworten. Trotzdem kann man darauf achten, welche Beleuchtung grundsätzlich vorhanden ist.

Eingangsbereiche, Zugangswege, Treppen und gemeinschaftliche Bereiche sollten so gestaltet sein, dass sie sich vernünftig nutzen lassen. Eine funktionierende Beleuchtung trägt dabei nicht nur zum Komfort bei, sondern kann auch das persönliche Sicherheitsgefühl beeinflussen.

Wer die Möglichkeit hat, kann die Umgebung zu einer anderen Tageszeit noch einmal aufsuchen. Eine ruhige Straße am Vormittag kann abends stark frequentiert sein, während ein zunächst belebtes Viertel später überraschend ruhig wirkt.

Dabei sollte man nicht versuchen, aus einem einzigen kurzen Besuch endgültige Schlüsse zu ziehen. Ein zweiter Eindruck kann aber helfen, die Umgebung realistischer einzuschätzen.

Gegensprechanlage und Zugangssysteme nicht vergessen

In Mehrfamilienhäusern gehört die Klingel- oder Gegensprechanlage zu den Dingen, die nach dem Einzug selbstverständlich funktionieren sollen. Bei der Besichtigung erhält sie trotzdem häufig kaum Aufmerksamkeit.

Interessant ist beispielsweise, ob Besucher vor dem Öffnen der Haustür identifiziert werden können und wie das vorhandene System grundsätzlich funktioniert. Moderne Anlagen können zusätzliche Funktionen bieten, doch auch eine einfache Gegensprechanlage erfüllt ihren Zweck, wenn sie zuverlässig arbeitet.

Bei größeren Wohnanlagen können außerdem mehrere Zugangspunkte existieren. Tiefgarage, Keller, Innenhof oder Nebeneingänge besitzen möglicherweise eigene Türen und Zugangssysteme. Wer solche Bereiche regelmäßig nutzen wird, sollte wissen, wie sie erreichbar sind.

Auch hier gilt: Eine Besichtigung ist keine technische Sicherheitsprüfung. Es geht vielmehr darum, sich einen möglichst vollständigen Eindruck von den Einrichtungen zu verschaffen, die später zum täglichen Wohnen gehören.

Auch Lärm zeigt sich nicht auf Immobilienfotos

Kaum etwas lässt sich in einem Exposé so schlecht darstellen wie Geräusche. Auf einem Foto ist selbst eine viel befahrene Straße vollkommen still. Deshalb sollte man während der Besichtigung bewusst einige Momente darauf achten, was tatsächlich zu hören ist.

Straßenverkehr ist dabei nur eine mögliche Quelle. Bahnlinien, Gewerbebetriebe, Gastronomie oder andere Einrichtungen in der Umgebung können ebenfalls eine Rolle spielen. Innerhalb des Gebäudes können Treppenhaus, Aufzug oder andere technische Anlagen hörbar sein.

Wie störend solche Geräusche empfunden werden, ist ausgesprochen individuell. Während manche Menschen problemlos an einer Hauptstraße schlafen, wacht jemand anderes bereits auf, wenn drei Häuser weiter eine Autotür geschlossen wird.

Deshalb ist weniger entscheidend, ob eine Wohnung objektiv „ruhig“ ist. Interessanter ist, ob die vorhandene Geräuschkulisse zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Auch der Alltag rund um das Gebäude zählt

Eine Wohnung wird nicht isoliert vom restlichen Viertel bewohnt. Deshalb lohnt sich nach der eigentlichen Besichtigung ein kurzer Spaziergang durch die nähere Umgebung.

Wie weit sind Einkaufsmöglichkeiten entfernt? Gibt es eine passende Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Wo kann ein Fahrrad sicher abgestellt werden und wie sieht die Parksituation aus, wenn ein Auto vorhanden ist? Solche Fragen gewinnen spätestens nach dem Einzug an Bedeutung.

Auch der eigene Tagesablauf sollte berücksichtigt werden. Wer regelmäßig spät nach Hause kommt, bewertet Wege und Verkehrsanbindung möglicherweise anders als jemand, der überwiegend im Homeoffice arbeitet. Familien wiederum achten häufig stärker auf Schulen, Betreuung und Spielmöglichkeiten.

Die passende Wohnlage lässt sich deshalb nicht allein über eine beliebte Postleitzahl definieren. Sie muss zum Alltag der Menschen passen, die dort tatsächlich wohnen werden.

Beim zweiten Rundgang anders hinschauen

Bei einer ersten Besichtigung ist es völlig normal, sich zunächst von Raumgefühl, Licht und Ausstattung leiten zu lassen. Wenn die Wohnung anschließend ernsthaft infrage kommt, sollte der zweite Blick jedoch systematischer ausfallen.

Dann können Hauseingang, Türen, Fenster, Keller, Abstellmöglichkeiten und technische Einrichtungen genauer betrachtet werden. Auch offene Fragen sollten gesammelt und vor einer Entscheidung geklärt werden. Was bei der Besichtigung nicht eindeutig erkennbar ist, muss schließlich nicht erraten werden.

Hilfreich kann es außerdem sein, eine weitere Person mitzunehmen. Zwei Menschen achten selten auf exakt dieselben Dinge. Während einer begeistert die Aussicht betrachtet, fällt dem anderen vielleicht auf, dass der Weg zum Fahrradraum ausgesprochen umständlich ist.

Die beste Wohnungsbesichtigung endet deshalb nicht unbedingt mit einem begeisterten „Die nehmen wir!“. Ein gutes Zeichen ist vielmehr, wenn man anschließend ein realistisches Bild davon hat, wie sich das Leben dort tatsächlich gestalten könnte. Denn die schöne Küche sieht man jeden Tag – die Haustür, das Treppenhaus, den Keller und den Weg nach draußen allerdings ebenfalls.